
Lieber neu gründen als übernehmen: Was die Gründungszahlen über die Nachfolge sagen
Im ersten Halbjahr 2026 sind in Deutschland rund 53.600 wirtschaftlich bedeutsame Betriebe neu entstanden. Gemeint sind Gründungen mit Handelsregister- oder Handwerkseintrag oder mit mindestens einem Arbeitnehmer, also Unternehmen, die von Anfang an eine gewisse Größe haben.
Im selben Zeitraum wurden 35.700 solcher Betriebe geschlossen. Unter dem Strich gibt es rund 18.000 mehr als zu Jahresbeginn.

Gleichzeitig suchen viele bestehende Unternehmen einen Nachfolger.
Was uns daran auffällt
Der unternehmerische Geist ist da. Die Bereitschaft, Verantwortung und Risiko zu übernehmen, ebenfalls. Zehntausende Menschen bauen jedes Halbjahr etwas Eigenes auf, mit Registereintrag, mit Mitarbeitern, mit allem, was dazugehört.
Viele von ihnen fangen bei null an.
Dabei hätte eine Übernahme einen Vorsprung, der schwer zu schlagen ist. Kunden, Mitarbeiter, Know-how, Marktposition und laufende Umsätze sind bereits vorhanden. Wer übernimmt, startet mit einem laufenden Geschäft.
Unsere Lesart
Aus unserer Arbeit im Nachfolgemarkt kennen wir eine Beobachtung, die dazu passt: Unternehmen, die einen Nachfolger suchen, gibt es viele. Unternehmen, die jemand unbedingt übernehmen möchte, deutlich weniger.
Damit liegt der Engpass in vielen Fällen bei der Frage, wie attraktiv ein Unternehmen im Moment der Übergabe ist.
Eine Nachfolge ist ohnehin mehr als Bestandssicherung. Sie ist Gründung auf vorhandenem Fundament. Wer übernimmt, erfüllt dieselben unternehmerischen Aufgaben wie ein Gründer, startet aber auf gewachsener Substanz. Genau das macht sie für viele attraktiv, sobald das Fundament trägt.
Was daraus für Übergeber folgt
Wenn die Neugründung trotz des Vorsprungs attraktiver erscheint, lohnt sich eine unbequeme Frage:
Ist mein Unternehmen so gut, dass es jemand lieber übernimmt, als selbst bei null anzufangen?
Woran sich das festmachen lässt:
- Läuft das Geschäft auch, wenn Sie drei Wochen nicht erreichbar sind?
- Gibt es ein zweites Führungsniveau unter Ihnen?
- Wie viele Kunden kennen Sie persönlich, und wie viele kennen das Unternehmen?
- Sind Prozesse, Kalkulation und Preise dokumentiert oder im Kopf?
- Wächst der Umsatz, oder hält er sich?
- Gibt es ein Thema, das Sie seit Jahren vor sich herschieben?
Jede dieser Fragen lässt sich in den Jahren vor einer Übergabe beeinflussen. Nach der Unterschrift nicht mehr.
Quellen
- Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn, Pressemitteilung „NRW, Bayern und Baden-Württemberg bei wirtschaftlich bedeutsamen Gewerbegründungen vorn“, 10. September 2026
- Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn, Statistik „Gewerbliche Existenzgründungen und Liquidationen“, auf Basis der Gewerbeanzeigenstatistik des Statistischen Bundesamtes
Sprechen wir darüber
Alexander Reichel, Oakstreet
Wenn Sie wissen möchten, wie attraktiv Ihr Unternehmen für einen Nachfolger heute ist: Schreiben Sie uns, wir ordnen Ihre Situation ein.